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Mrz
01

Drei Monate in Uganda – Erfahrungen aus einer völlig anderen Welt

Franziska Wagenseil hat die Partnerschaft zwischen der Pfarrei Hannberg und der Entwicklungseinrichtung Caritas Maddo in Masaka genutzt, um Uganda zu besuchen und ehrenamtlich tätig zu werden. Darüber hinaus hat sie viele neue Erfahrungen sammeln dürfen und neue Freundschaften geschlossen. Hier schreibt Franziska von ihren Erfahrungen.

Nachdem ich im letzten Jahr mit einer Gruppe unserer Pfarrei in Uganda war und mich das Land und die Menschen dort so fasziniert haben, wusste ich sicher: Da will ich wieder hin! Also habe ich beschlossen, nach meinem Abitur für 3 Monate nach Uganda zu gehen und dort bei Caritas MADDO (Masaka Diocesan Development Organisation) mitzuarbeiten.

Obwohl ich ja schon einmal dort war, also schon ein paar Leute dort kannte und in etwa wusste, was mich erwartete, war ich doch sehr aufgeregt, was alles auf mich zukommen würde. Mit einem Tag Verspätung (mein erster Flug war gecancelt worden), kam ich dann am Abend des 14. Juli in Entebbe an und wurde dort herzlich von Fr. Peter und Fr. Aloysious empfangen. Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Masaka. Dort war ich im Curia Guest House untergebracht und hatte zu meinem Arbeitsplatz für die nächsten Wochen, die Büros von MADDO, nur einen kurzen Fußweg.

Die ersten Wochen arbeitete ich mit Maria zusammen. Wir brachten die neue Website von MADDO auf Vordermann. Durch langsames Internet, Stromausfälle und die etwas andere Arbeitsmoral in Afrika habe ich gelernt, wirklich geduldig zu sein. Ich habe auch schnell gelernt, dass dort leider oft alles nach dem Motto „Was du heute kannst besorgen, verschiebe ruhig auf morgen“ gemacht wird. Nach dieser Zeit habe ich dann die anderen Projekte von MADDO kennengelernt.

Ohne die Arbeit von MADDO würde in der Diözese nur sehr wenig voran gehen.

Es gibt z.B. Ernährungs- und Hygieneworkshops für Mütter und ihre Kinder, Farmertrainings für bessere Erträge in der Land- und Viehwirtschaft oder Brunnenbauprojekte. Dies ist nur ein kleiner Teil der Arbeit, die von MADDO geleistet wird.

Ich wurde von den Mitarbeitern bei MADDO, von den Mitbewohnern in meiner Unterkunft und Freunden, die ich noch von letztem Jahr kannte, sehr freundlich aufgenommen und das hat mir das Eingewöhnen in diese völlig andere Welt einfacher gemacht. Man kann sich an vieles gewöhnen: kein warmes Wasser zum Duschen, jeden Tag fast das gleiche Essen, die Wäsche mit der Hand und kaltem Wasser waschen (ich muss sagen, nach drei Monaten war ich richtig gut in Übung), an das „immer auf irgendetwas warten“ („African Time“ ist wirklich nicht zu vergleichen mit „German Time“). Schwer ist mir gefallen, mich an das „als Weiße immer angeschaut werden“ zu gewöhnen.  Egal wo man ist und was man macht: Immer spürt man die Blicke auf sich gerichtet.

Ein Höhepunkt waren die Priesterjubiläumsfeiern von Fr. Peter und Fr. Aloysius, die mit über 2500 Gästen wirklich groß gefeiert wurden. Dabei durfte ich die offiziellen Glückwünsche der Pfarrei überbringen. Dass ich an Grundschüler in Busagula Briefe von Hannberger Schülern überbringen durfte, hat mich auch sehr gefreut und ist bei den Kindern dort auf große Begeisterung gestoßen.

Die vielen Kinder dort sind wirklich auffällig: Überall sind Kinder und viele riefen bei meinem Anblick ganz begeistert „Bye Muzungu“ (Luganda für: weißer Mensch) und wenn man dann zurückwinkt, wird man mit strahlenden Kindergesichtern belohnt.

Ein normales Bild in den Dörfern: kleine Lehmhütten, außen herum jeweils eine kleine Bananenplantage und dazwischen die Eltern mit ihren Kinder, oft 10 an der Zahl oder mehr, in zerschlissener Kleidung und ohne Schuhe.

Viele Eltern haben nicht genug Geld, um die Kinder in die Schule zu schicken und es hat mich sehr betroffen gemacht, so viele Kinder zu sehen, die keine Zukunftsperspektive haben.

Ein sehr großes Problem ist der ständige Stromausfall. Oft kam es uns so vor, als würde der Strom willkürlich an- und abgeschaltet werden. Fast jeden Tag gab es für mehrere Stunden keinen Strom. 80% des in Uganda erzeugten Stroms wird nach Kenia und Tansania exportiert.

Es gibt so viele Baustellen in Uganda, hier einige Beispiele:

Das Straßensystem: Nur die großen Hauptverkehrsstraßen sind geteert, die anderen „Straßen“ (die man oft eigentlich gar nicht so nennen kann) sind Staubpisten (oder Rutschpisten, wenn es geregnet hat) mit unendlich vielen Schlaglöchern.

Das Schulsystem: Viel zu wenige Schulen für zu viele Schüler, nicht genügend Unterrichtsmaterialien und Klassenräume, der Einsatz des Schlagstocks steht auch noch an vielen Schulen an der Tagesordnung, Lehrer streiken, da sie viel zu schlecht bezahlt werden. (Die größte Universität Ugandas war wegen einem Streik der Dozenten für 4 Wochen geschlossen und viele Schulen haben das Schuljahr im September einige Tage später begonnen)

Das Gesundheitssystem: Viel zu wenige Ärzte, viel zu viele Menschen ohne medizinische Versorgung, die Krankenhäuser und Krankenstationen sind oft in schrecklichen Zuständen. (Ein Arzt kommt auf 20.000 Einwohner)

Die Lebenssituation: Viele Menschen leben ohne Strom und Zugang zu sauberem Wasser, sie müssen zu Schulen oder Brunnen oft viele Kilometer laufen, es fehlt am Nötigsten. Viele Menschen sind arbeitslos, obwohl sie eine gute Ausbildung haben, viele Menschen haben gar keine Schulausbildung. Wenn man das alles so sieht, könnte man gut den Eindruck bekommen, dass man gar nicht helfen kann und alle Hilfe dort doch nur ein Tropfen auf einem viel zu heißen Stein ist.

Durch die Projekte von MADDO konnte schon vielen Menschen geholfen werden. Eine Kuh kann zum Beispiel den Lebensunterhalt einer Familie sichern oder durch ein Fahrrad kann der Transport der Waren zum weit entfernten Markt erleichtert werden. Ich konnte erleben, wie etwas in unseren Augen „Kleines“ für die Menschen dort viel bewirken kann und ich war sehr beeindruckt davon.

Die Zeit in Masaka gehört zu der erlebnisreichsten, abenteuerlichsten und wundervollsten Zeit in meinem Leben. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt und der Abschied ist mir wirklich schwer gefallen. Für mein eigenes Leben habe ich viel dazu gelernt, bin nachdenklicher geworden: Sollte ich mit dem Wasser, Strom und Lebensmitteln nicht sparsamer umgehen? Schätze ich diesen materiellen Überfluss? Was ich nämlich auch gelernt habe: Oft braucht man gar nicht viel Materielles, um wirklich glücklich zu sein.

Und was ich schon nach dem ersten Tag wieder daheim wusste: Ich will auf jeden Fall wieder nach Masaka!
Franziska Wagenseil

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